Geschichte der Jugendweihe

Zur Geschichte der Jugendweihe

 

Älter als mancher glaubt, ist die Jugendweihe oder Jugendfeier, wie sie anderenorts genannt wird. Und sie ist demzufolge keine Erfindung der DDR.

 

1852 Eduard Baltzer – Demokrat und Pfarrer der Freikirchlichen Gemeinde in Nordhausen führt die erste außerkirchliche Feier für Jugendliche durch und nennt sie Jugendweihe. Er wollte jungen Leuten, deren Eltern nicht religiös gebunden waren, eine Initiationsfeier bieten als würdigen Übergang ins Erwachsenenleben.

 

1889 Sozialdemokraten und Arbeitervereine organisieren die ersten proletarischen Jugendweihen.

 

1918 Nach dem ersten Weltkrieg nimmt die Jugendweihe einen großen Aufschwung, Träger sind der Freidenkerverband und die Arbeiterparteien.

 

1933 Alle Jugendfeiern, auch die Jugendweihe, werden durch die Nazis verboten.

1946 Die ersten Feiern nach dem Krieg werden vom Freidenkerverband, aber auch von SPD- und KPD-Ortsgruppen organisiert.

 

1950 Verbot dieser einzelnen Feiern, um sie zentral zu organisieren.

 

1954 Gründung des Zentralen Ausschusses für Jugendweihe, der künftig Inhalte und Form der Jugendweihen und der vorbereitenden Jugendstunden bestimmt. Ziel war, dass jeder Jugendliche mit 14 Jahren an der Jugendweihe teilnimmt. Neben interessanten Inhalten dominierte ideologische Bildung die Jugendstunden.

 

1990 Mit dem Zerfall der DDR löste sich der Zentralausschuss für Jugendweihe auf. Die Interessenvereinigung Jugendweihe e. V. wurde gegründet. Die Reformer knüpften an die Traditionen der Jugendweihe vor 1933 an und rückten die humanistischen Inhalte in den Mittelpunkt mit dem Ziel, den Jugendlichen in einer wichtigen Entwicklungsphase zu helfen, das Leben kennenzulernen und Verantwortung zu übernehmen. Die Tradition der Jugendweihe als Familienfest spielt nach wie vor eine große Rolle.

 

2015 sind die Landes- und Regionalverbände seit 25 Jahren im Bundesverband Jugendweihe Deutschland e. V. vereinigt, das sind die Landesverbände Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und die Regionalverbände Mansfelder Land, Baden-Württemberg, München und Umgebung, Kassel und Umgebung, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus arbeitet ein Jugendweihe-Landesverband Berlin/Brandenburg.

 

Und aus unserer Region…

 

Der Thüringer Waldbote berichtete im Jahrgang 1922:

Ohrdruf, den 3. April 1922

 

„Gestern Sonntag vormittag fand im „Kaisersaal“ die J u g e n d w e i h e der schulentlassenen Kinder, deren Eltern aus der Kirche ausgetreten sind, statt, an der über 40 Knaben und Mädchen aus Ohrdruf und Umgebung teilnahmen. In längeren Ausführungen zeigte Herr Schauder dann den nunmehr ins Leben tretenden den Weg, den sie zu gehen haben, der nach seiner Ansicht ein Weg des Kampfes sein werde. Den Kindern wurde zum Andenken an den für sie ernsten Tag des Lebens ein Buch, das Richtlinien für die kommenden Jahre enthält, überreicht. Harmoniumspiel und Gesang beschloss die Weihe.“